Vorrangregeln beim Segeln

Wozu gibt es beim Segeln Vorfahrtsregeln? Sie dienen demselben Zweck wie die Regeln auf der Straße. Sie sollen Kollisionen verhindern und alle Verkehrsteilnehmer schützen. Mit Vorfahrtsregeln segeln wir einfach sicherer und es gibt genaue Anweisung, wer wann wie zu agieren hat.

 

Drei Grundprinzipien, welche weiter unten im Detail beschrieben werden, sind den meisten Seglern (hoffentlich) aus diversen Segelkursen bekannt. Denn allein damit können die meisten Situationen beim Zusammentreffen von Booten aufgelöst werden und man weiß, welches Segelboot auszuweichen hat. Diese drei Grundregeln sind:

Backbordbug vor Steuerbordbug

Kreuzen sich die Kurse zweier Boote mit den Segeln auf unterschiedlichen Seiten, ist das Boot mit Steuerbordbug ausweichpflichtig ! ( Eselsbrücke: B vor S - Wer das Segel links hat, hat Vorrang vor dem der das Segel rechts hat L vor R )

Lee vor Luv

Kreuzen sich die Kurse zweier Segelboote, die die Großsegel auf der gleichen Seite haben, dann weicht das Boot in Luv dem Boot in Lee aus.                 ( Eselsbrücke: Das E kommt im Alphabet vor dem U -   E  vor U  Lee vor Luv )

 

Der Überholer hält sich frei !

Wer von hinten kommt, trägt die Verantwortung beim Überholen.

Man muß dem Überholten aber genügend Platz lassen und darf ihn nicht zu einer Kursänderung zwingen. Man gilt auch als Überholer wenn man von schräg hinten kommt !

 


Zusammengefasst sind alle Regeln in den Kollisionsverhütungsregeln (KVR). Diese wurden international bereits 1972 beschlossen und können unterfolgendem Link HIER nachgelesen werden. Die KVR gelten außerhalb des Fahrwassers und im freien Seeraum.

Auch wenn gerne beim Segeln von Vorfahrtsregeln gesprochen wird, sind es dennoch Ausweichregeln ! Eine Vorfahrt gibt es für kein Boot ! Beim Zusammentreffen von mehreren Booten beschreiben die KVR eindeutig, dass ein Boot Ausweichpflicht hat und das andere Boot Kurshaltepflicht hat ! Überholer sind immer ausweichpflichtig.

Boote, die Ausweichpflichtig sind, müssen, wie man es erahnen mag, ausweichen. Dabei muss dieses Boot frühzeitig und klar erkennbar handeln. In einer Regatta, da es sich um einen sportlichen Wettkampf handelt, kann man auch knapp hinter dem Heck des anderen Bootes vorbei segeln.

Treffen sich zwei Boote deren Kurse sich kreuzen und du bist nicht ausweichpflichtig, dann musst du deinen Kurs und deine Geschwindigkeit beibehalten. Damit soll sichergestellt werden, dass du das Ausweichmanöver des anderen nicht gefährdest. Könnte eine Kollision entstehen und der andere reagiert nicht sofort, musst du etwas Geduld haben. Der andere Skipper hat dich vielleicht noch nicht gesehen oder ist gerade in der Vorbereitung zum Ausweichen. Mach dich bemerkbar. In einer Regatta wird „Raum“ gerufen.

Kommt der Ausweichpflichtige dem Kurshalter jedoch so nah, dass eine Kollision allein durch den Ausweichpflichtigen nicht mehr vermeidbar ist, muss der Kurshalter alle Maßnehmen ergreifen, um die Kollision zu verhindern. Man spricht hierbei um das Manöver des letzten Augenblicks.  

Während Regatten gelten unter den Teilnehmern neben den typischen Ausweichregeln auch spezielle Wettfahrtregeln. So gelten an zu umrunden Bahnmarken speziellere Regeln bezüglich des Vorfahrtsrecht und wer wen wann vorbeifahren lassen muss. Während solcher Segelwettfahrten gelten die Pflichten der KVR weiterhin. Obwohl die Teilnehmer keine besonderen Vorzüge innerhalb der Ausweichpflichten haben, gilt es als guter Ton und Sitte solche Wettfahrten als Nicht-Teilnehmer größzügig zu meiden.